gamescom 2016 oder was macht eigentlich David Hasselhoff?

Es sind nun schon ein paar Tage vergangen, nachdem die gamescom ihre Pforten geschlossen hat, der Hype und die Freude sind aber noch nicht verebbt. Dieses Jahr war unsere zweite gamescom (was mit 30 Jahren ziemlich bitter ist) und nachdem wir 2015 nur einen Tag dort verbrachten, haben meine Freundin und ich uns diesmal ganze drei Tage gegönnt; und das war es allemal wert.

Wer noch nie dort war, aber unter Umständen schon andere Messen besucht hat, kann es sich so vorstellen: Sechs riesige Hallen, prall gefüllt mit aufwändig gestalteten, riesigen Messeständen, an denen entweder Spiele oder Hardware vorgestellt und angepriesen werden. Laute Musik darf nicht fehlen (jeder Stand wartet mit seiner eigenen PA-Anlage1 auf) und Displays, wohin das Auge reicht. Kann man an den Ständen Spiele antesten oder sich Trailer und Gameplay-Videos zu bald erscheindenen Titeln ansehen? Dann finden sich dort zeithungrige Warteschlangen, die im Minimum 30 Minuten und im Maximum gut fünf Stunden verschlingen. Was man eben nicht alles tut, um sein Fanherz zu befriedigen.

An Hardwareständen, aber nicht nur dort, gibt es in regelmäßigen Abständen Loot zu gewinnen: Von Wasserbällen (meh), über Flaschenöffnerschlüsselanhänger (mhh, okay), zu T-Shirts (der heiße Scheiß) bis hin zu Hardware (Headsets, Prozessoren etc.) wird dort viel in die Mengen geschmissen—literally. Wenn man nicht aufpasst, hat man schnell einen Ellenbogen im Rücken oder im Gesicht.

Der Schein der Sicherheit

Aufgrund der angespannten (sicherheits)politischen Lage in Europa, gab die gamescom ca. zwei Wochen vor Beginn der Messe an, dass aufgrund erhöhter Sicherheitsmaßnahmen am besten keine Rucksäcke und Taschen mit auf das Messegelände genommen werden sollten; es gab nämlich Taschenkontrollen und Verzögerungen beim Einlass sollten somit vermieden werden.
Einen 10-Stunden-Tag jedoch ohne Wasser (genauer: nicht mit Wasser zu Messepreisen) zu überstehen, ist utopisch, weshalb wir uns die Freiheit nahmen, Taschen und Rucksäcke zu packen und auf das Beste zu hoffen.
Der Einlass am ersten Tag lief ziemlich chaotisch ab: Fehlende Hinweisschilder auf den Zuwegen zu unserem Eingang resultierten in Verwirrung vor den Eingängen. Erst unmittelbar vor dem Eingang wurde deutlich, dass wir, die wir keine Presse- oder Businesstickets hatten, zuallererst am Hauptgebäude vorbei Richtung Innenhof geleitet wurden. Hier gab es dann (eigentlich) zwei Schlangen: Leute mit Taschen und Leute ohne Taschen. Es bedurfte mehrfacher Megafondurchsagen, bis sich schließlich die Glücklichen ohne Taschen aus der großen Menge herausschälten und direkt Richtung Eingang schlendern konnten, während wir in großen Schüben durchgeschleust wurden. Insgesamt dauerte es gut 90 Minuten, bis wir endlich die Messehallen betraten.

In den folgenden Tagen nahmen wir keine Taschen mehr mit (auch wenn das ganze Prozedere sukzessive deutlich effektiver gelöst wurde), sondern trugen alles, was wir mitnehmen wollten, in der Hand (Wasserflaschen, Kamera) oder in den Hosentaschen (Nintendo DS, Powerbank etc.). Am Stand von EMP gab es nämlich kostenlose Umhängetaschen, dies war also unsere erste Anlaufstelle.
Der Witz an der Sache ist jedoch, dass wir überhaupt nicht kontrolliert wurden, da wir beim Einlass keine Taschen trugen. Wir hätten in unseren Hosentaschen oder unter unseren Jacken alles einschleusen können und es hätte niemanden interessiert. Hauptsache der Schein der Sicherheit bleibt gewahrt, das ist das Opium für das Volk.

Messetaktik

Den ersten Tag der Messe nutzten wir primär dazu, uns einen groben Überblick zu verschaffen, d.h. planlos durch die Hallen zu laufen und versuchen sich zu merken, was es alles gibt und wo wir es gegebenenfalls wiederfinden. Reizüberflutung galore.

Dem Informationsüberfluss zum Trotz geht einem passionierten Gamer jedoch das Herz auf, wenn man von tausenden Menschen verschiedener Couleur umgeben ist, die alle der gleichen Leidenschaft nachgehen. Vor allem wenn man die ersten Cosplayer erblickt. Traurig nur: Die oben genannten verschärften Sicherheitskontrollen bedeuteten für Cosplayer auch, dass sie keine selbstgebastelten Waffen mitbringen durften. Dies hatte zur Folge, dass es erheblich weniger Cosplayer auf der Messe gab als noch im Vorjahr. Eine Person nahm es jedoch gelassen und trug statt einer Waffe eine Papptafel in Form einer Waffe durch die Gegend, auf der geschrieben stand: „Hier könnte meine Waffe stehen.“

Hands-on und Messehighlight

Angetestet haben wir gar nicht so viele Spiele, was aber auch an den immensen Wartschlangen lag: Battlefield 1 hätte uns bspw. vier bis fünf Stunden gekostet. Das war es uns nicht wert. Vor allem für ein Spiel, das in zwei Monaten auf dem Markt erscheint. Die Schlange vor Titanfall 2 bewegte sich hingegen relativ schnell. Nach rund 30 bis 45 Minuten konnten wir uns in eine Multiplayer-Partie stürzen. Die Solo-Kampagne war leider nicht anspielbar. Dennoch muss ich sagen, dass ich mehr als positiv überrascht war. Habe ich Teil 1 noch konsequent gemieden (was nicht nur daran lag, dass es neben dem PC einzig für die Xbox erschien), war ich von Teil 2 wirklich angetan und freue mich schon sehr auf das Release am 28. Oktober 2016. Intuitive Bewegungsmechaniken und leicht zu erlernende Steuerung (auf der PS4 getestet) unterstützen den Spielspaß sehr.

Eine weitere halbe Stunde vergeudeten wir beim Trailer und Gameplay-Video zu Mafia III. Der Stand sah erstklassig aus. Aufgemacht wie ein amerikanisches Kino in den 50er Jahren. Das Spiel hingegen konnte leider gar nicht überzeugen. Spielte man in den ersten beiden Teilen noch ein Mafiosi, haben sich Hangar 13/2K Games wohl dazu entschiedenen statt eines ordentlichen Nachfolgers lieber einen GTA-Klon zu entwickeln. Man spielt einen Vietnam-Veteran, dessen Ziehfamilie von der Mafia (ah, da ist die Connection!) getötet wurde und der sich nun auf einen Rachefeldzug begibt. All das spielt in dem sehr detaillierten New Bordeaux (die fiktive Version von New Orleans), was meiner Meinung nach auch das Beste an dem Spiel ist.

Warum man Elite Dangerous anspielen konnte, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, denn das Spiel erschien bereits Ende 2014. Naja, es sei hiermit erwähnt. Meiner Meinung nach eine ziemlich gute Weltraumsimulation mit steiler Lernkurve. Lässt sich bestens am PC mit entsprechender Peripherie genießen.

Ein Spiel, das ich persönlich gar nicht angespielt habe, sondern nur einen Trailer sah und dennoch direkt gekauft habe (10 Euro vor Ort, 14,99 Euro auf Steam) war Typoman: Revised. Ein extrem intelligenter und wunderschön umgesetzter Knobelplattformer, der im wahrsten Sinne des Wortes mit Sprache spielt. Verantwortlich ist der Indie-Developer Brainseed Factory.

Für die Demo-Version (mich erstaunt, dass es so was überhaupt noch gibt. Bitte mehr davon!) müsst ihr ebenfalls einfach die Shopseite auf Steam besuchen.

Ein weiterer Indie-Titel, an den ich sogar Hand angelegt habe, war Far: Lone Sails, das die Entwickler als „an atmospheric vehicle adventure“ (zu dt. ein atmosphärisches Fahrzeugabenteuer) bezeichnen. Und das trifft es auch ganz gut. In einem post-apokalyptischen Setting begibt man sich auf eine Reise von links nach rechts, in einem Gefährt, das microgemanaged werden will. Natürlich tut diese leicht überzogene Beschreibung dem Spiel unrecht, deshalb verweise ich an dieser Stelle auf den Trailer und freue mich derweil auf das Release.

Außerdem besuchten wir auch noch den Stand von Bethesda und wie man erwarten konnte, gab es hier schön was zu sehen. Leider keine spielbaren Titel, dafür längere Gameplayeinlagen von Dishonored 2 und Prey, welche mich beide positiv angetan haben. Prey stand ich ursprünglich etwas skeptisch gegenüber, da es sich hierbei um ein Reboot handelt, das absolut nichts mehr mit dem Originaltitel zu tun hat. Dafür überzeugten die gezeigten Spielmechaniken vollends. Dishonored 2 wirkte stellenweise sehr verspielt, vor allem, was das Leveldesign betrifft. Beides kommt auf meine Liste der sehnsüchtig erwarteten Spiele.

Zu meinem Ärger muss ich gestehen, dass ich es nicht geschafft habe, einen VR-Titel zu testen. Gerne hätte ich mir eine Brille übergeworfen und mich Mitten ins Geschehen werfen lassen, doch auch hier waren die Schlangen in der Regel zu lang. Nächstes Jahr muss ich besseres Zeitmanagement betreiben. Aber kommen wir nun zu meinem persönlichen Messehighlight.

I’ve been looking for freedom

Auf der Social-Media-Bühne können sich Acts (Musiker, Comedians etc.) Zeit reservieren lassen bzw. Slots gewinnen, um dem interessierten Publikum ihre Kunst darzubieten. Moderiert wurde das komplette Programm über alle Messetage hinweg von meinem Man-Crush Fabian Siegismund. Dieser war auch der Grund, dass wir uns zur rechten Zeit am rechten Ort befanden und zwar vor der Bühne zur Vorstellung von (cue echo effect) Call of Duty: Infinite Warfare – Zombies in Spaceland. Das Spiel ist mit Sicherheit genau so bescheuert, wie es sich anhört. Doch wartet, es wird besser! Zum Interview wurde niemand Geringeres eingeladen als David Hasselhoff.

Ja, genau. David fucking Hasselhoff betritt die Bühne, vor der wir gerade stehen. Warum? Er spielt in Zombies in Spaceland einen 80er-Jahre-DJ (WTF?), der den Spieler ein wenig an die Hand nehmen soll. Wie Clippy also. Und nun die Preisfrage: Was macht David „The Hoff“ Hasselhoff, nachdem er eine Bühne betritt und noch bevor er eine Frage gestellt bekommt?

Genau. Er stimmt erst mal seinen 27 Jahre alten Hit Looking For Freedom an. Warum auch nicht? Ist schließlich The Hoff. Der Rest des Interviews war auch großartig. Da das gesamte Interview auf Englisch geführt wurde und demnach die Fragen bzw. Antworten aus dem Deutschen bzw. ins Deutsche übersetzt werden mussten, nutzte der Knight Rider die Zeit, um auf der Bühne auf und ab zu flanieren und für Fotos zu posen. Das Beste—und wohl auch Bezeichnendste—war die Antwort auf die Frage, wie ihm die Arbeit an dem Spiel gefallen hat und wie er sich fühlt Teil eines Videospiels zu sein:

„Ich war schon 1989 hier in Köln und Deutschland ist wirklich ein wunderschönes Land…“

Er erzählte also seine Story, geschlagene Minuten lang, nur um am Ende mit einem Satz auf die gestellte Frage einzugehen. Sollten alle Stricke reißen, wäre er in der Politik also bestens aufgehoben.

Fazit

Alles in Allem war die gamescom 2016 ein voller Erfolg. Ein paar Set-backs gab es zwar, aber die positiven Erfahrungen überwiegen um ein Vielfaches. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die gamescom 2017, dann werden es vielleicht auch die vollen vier Tage. Bis dahin freue ich mich auf die zahlreichen Neuerscheinungen im kommenden Jahr, von denen ich euch im besten Falle hier berichten werde.


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/PA-Anlage