Star Wars: Aftermath

Dies ist nicht das Buch, nach dem ich suchte. Zugegeben, Chuck Wendig tritt ein hartes Erbe an, denn er darf die Timothy Zahn-große Lücke füllen, die der Wegfall der Thrawn-Trilogie beim Glattbügeln des Star Wars-Kanon hinterlassen hat. Doch leider gehört für mich mehr zu einem guten Buch, als eine überzeugende Story. Und wenn dann auch diese einen auf der Strecke lässt, bleibt leider nicht mehr viel übrig.


Vergessen, die Hyperraumkoordinaten zu berechnen

Ähnlich eines Sprungs in ein fernes Sternensystem, ist es auch beim Plotten einer Geschichte von Vorteil, sich einen Plan zu machen. Doch leider ähnelt das Ergebnis hier mehr einem übereilten Hyperraumsprung durch ein Asteroidenfeld.
Neben dem normalen Geplänkel (Copyrighthinweise, Widmung, Danksagung und was man eben so auf den ersten Seiten eines Buches findet), muss man sich zusätzlich durch eine Einleitung und einen Rückblick blättern, bis »Chapter One« dann endlich auf Seite 13 (der nummerierten Seiten) losgeht.

Doch hier ist noch lange nicht Schluss: Es kommt mir so vor, als würden stetig neue Charaktere eingeführt, denen man durch die Gesamtlänge des Buches folgt. Ich habe jetzt wirklich kein Problem mit einer Vielfalt an Charakteren—schließlich habe ich A Song of Ice and Fire überstanden; und geliebt—aber an Martin reicht Wendig leider bei Weitem nicht ran: Oftmals wechselt innerhalb eines Kapitels die Perspektive zwischen den einzelnen Charakteren hin und her. Die durchweg kurzen Kapitel helfen hier nicht sonderlich.
Sieben Charaktere stehen mehr oder weniger im Mittelpunkt der erzählten Geschichte, doch eher öfter als selten kommen Sprünge zu anderen Orten, die dem Leser ein Gefühl dafür geben sollen, was in der Galaxis gerade noch so vor sich geht. Und natürlich mit vom »harten Kern der Protagonisten« abweichenden Charakteren. Zusätzlich zur Verwirrung wird man aus dem Lesefluss gerissen, zumal diese Einblicke wenig zum Fortgang der Story beitragen.

Ein Buch wie ein Buzzfeed-Artikel

Nicht allein die Struktur des Buches, auch der Schreibstil Wendigs ist sehr eigen. Ich finde es gut, dass der Autor versucht das Tempo an Stellen anzuziehen (Da! Ich kann auch was Nettes sagen), schlecht finde ich es aber, wenn es ausartet. Stellenweise derart, dass man die Vermutung aufkommt, Chuck Wendig wäre lieber Drehbuchautor geworden (keine Angst, das folgenden Zitate sind vom Anfang des ersten Kapitels entnommen, also keine Spoilergefahr):

Now:
Starlines streak across the bright black.
A ship drops out of hyperspace: a little Starhopper.

Ahead: the planet Akiva.

He pulls up the comm. Tries to open a channel to command and—
Nothing.
Maybe it’s broken. It’s an old ship.
[The captain] fidgets at his side, pulls up the personal comm relay that hangs there at his belt—he taps the side of it, tries to get a signal.
Once more: nothing.

New dilemma, though: What now?

Ich gebe zu, dass ich diese Art am Anfang interessant (weil so noch nicht gelesen) fand, aber dieses Interesse verfliegt recht schnell, da Wendig sich viel zu häufig dieses, ich nenne es mal Stilmittels, bedient. Seine Intention ist klar, er will die Szenen actiongeladener gestalteten, allerdings ähnelt das Ergebnis eher einem Michael Bay-Film.

Yoda sein großes Vorbild zu sein scheint

Eine weitere Ecke, an der ich mich regelmäßig gestoßen habe, war sein Satzbau.

Norra. You paid me to get you onto the surface of that planet.“ Her points out the window. There: home. Or was, once. The planet Akiva.

To what end, [this character] does not know.

From somewhere behind, a flung jogan fruit.

Auch hier gilt wieder: In Maßen sind solche Satzkonstruktionen vielleicht gut. Man kann damit Akzente setzen. Aber der übermäßige Einsatz machte mich dessen recht schnell überdrüssig.

All die aufgezählten Knackpunkte waren bei weitem nicht alles, was ich gestört hat. Über Passagen in Klammern spreche ich nicht und auch der übermäßige Einsatz kursiv gedruckter Absätze sei hier nur am Rande erwähnt.

Ein gutes Haar lasse ich ihm

Was man Chuck Wendig zu Gute halten muss, ist, dass drei der sieben Protagonisten Frauen sind; teils auch in hohen oder wichtigen Positionen. Wie sehr dies von Disney bzw. der Lucasfilm Story Group gefordert wurde, kann ich nicht sagen. Ich unterstelle ihm aber einfach mal, dass es aus freien Stücken heraus geschah. Ich kenne seine anderen Bücher nicht und kann daher schlecht einschätzen, ob dies bei ihm den Normalfall darstellt oder nicht. Nichtsdestotrotz ist das definitiv ein fettes Plus.

Helft mir, Blanvalet Kenobi. Ihr seid meine letzte Hoffnung!

Ich habe mir Aftermath bei unserem Silvestertrip nach London gekauft. Zum einen konsumiere ich englische Medien gerne in der Originalsprache, zum anderen wollte ich nicht auf das Deutschlandrelease Mitte April warten. Nun, mittlerweile sieht es so aus, dass ich sehnsüchtig auf die deutsche Ausgabe warte, in der Hoffnung, dass der Übersetzer sprachlich noch einiges rausreißt. Wer weiß, vielleicht schauen auch noch mal ein paar Lektoren drüber und bügeln ein bisschen was gerade? Nach Zweidrittel der englischen Version lese ich jedenfalls nicht mehr weiter und versuche mein Glück auf deutsch. Meine Hoffnungen schraube ich jedoch nicht allzu weit nach oben.